Schaufelradbaggger

Niederlausitz, August 2020


Bis zum Jahre 2038 möchte Deutschland aus der Kohleverstromung aussteigen.
Bereits in den letzten Jahrzehnten wurden einige Braunkohletagebauten in der Lausitz stillgelegt und teilweise bereits renaturiert. Die aus den alten Tagewerken entstandene Seenlandschat bietet ein enormes Touristisches Potential für die Region. Doch noch immer dampfen die Kühltürme die Region und produzieren braunen Strom für Deutschland.
Ein alter verlassener Schaufelradbagger steht wie ein Mahnmal in der Landschaft und erinnert an die Industrielle Vergangenheit.
Der Bagger hatte aufgrund seiner blauen Lackierung ursprünglich den Spitznamen Blaues Wunder, doch von der Blauen Farbe ist nunmehr ein Grauer Schimmer mit rotbraunen Rostflecken verblieben.
Der Ausleger des Baggers ist 67 Meter lang, an seiner Spitze befindet sich das Schaufelrad.
Dieses kann vom Ausleger bis zu 35m über und 35 Meter unter Bodenniveau bedient werden.
Der Bagger besitzt mehrere Motoren mit einer Gesamtleistung von 5555 kW, jedoch wurden die meisten Kabel und auch viele andere Teile bereits geplündert, so dass er heute wohl kaum noch fahren könnte. Er konnte sich mit ursprünglich 6 metern pro Minute fortbewegen.
Das 12,5m im Durchmesser messende Schaufelrad des Baggers umfasst 10 Schaufeln mit jeweils 1,5m² Fassungsvolumen. Mit diesem konnten ursprünglich 5130 m² Abraum pro Stunde bewegt werden
Beim Blick nach Oben fällt mir das Typenschild ins Auge. Der Schaufelradbagger wurde in der ehemaligen DDR im Jahre 1964 vom VEB BFG Lauchhammerwerk im Niederlausitzer Braunkohletagebau Meuro in der Nähe von Senftenberg gefertigt.
Der Schaufelradbagger Raupenfahrwerk schwenkbar mit 1500 Liter Schaufelinhalt (kurz SRs 1500) wurde eingesetzt, um Bodenmassen abzutragen, um den Abbau von Braunkohle vorzubereiten.
Der 3850 Tonnen schwere, 171,5m lange und 50 Meter hohe Bagger war bis zur Stilllegung des Tagebaus Meuro im Jahre 2002 fast durchgängig im selbigen im Einsatz.
Der Bagger wurde 2003 an seine Position auf der ehemaligen Abraumhalde gefahren, wo er seitdem vor sich hinrostet.
Der Tagebau wurde nach der Stilllegung renaturiert und ab 2007 geflutet, er bildet heute den Großräschener See, einer von mehreren Seen, welche aus ehemaligen Tagebauten im Großraum von Cottbus entstanden bzw. entstehen.
Leider gab die Gemeinde Schipkau 2019 bekannt, dass sie den Bagger SRs 1500 gerne verschrotten möchte. Der bereits stark geplünderte Bagger soll vermutlich in die Luft gesprengt werden, lediglich einige markante Teile wie das Typenschild und das Schaufelrad sollen für die Nachwelt erhalten werden.
Kurz darauf entbrannte ein Streit um die Erhaltung des Bagggers als Industriedenkmal. Inzwischen wurde der Bagger als Technisches Denkmal eingetragen, jedoch ist der Erhalt weiterhin umstritten.
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