Die verlassenen Seilbahnen von Tschiatura
Georgien, August 2025
Rostige Gondeln schweben noch über der Mangan-Stadt – die letzten Stalin-Seilbahnen von Tschiatura und Skvisi.
Die Stadt Tschiatura in Georgien ist berühmt für ihre historischen Seilbahnen. In den 1950er Jahren wurden sie gebaut, um Bergarbeiter zu den Mangan- und Eisenerzgruben in den umliegenden Schluchten zu bringen. Die erste Linie, oft „Stalinbahn" genannt, ging 1954 in Betrieb. Zeitweise gab es über 20 Personenseilbahnen. Nach dem Ende der Sowjetunion verfiel das System. Viele Bahnen wurden 2016 stillgelegt. Seit 2021 wurden mehrere Linien saniert und wiedereröffnet. Die alten Gondeln wirken wie „schwebende Metallsärge", die neuen sind modern und sicher. Ich war nach Zqaltubo hier und habe die Stadt und die Seilbahnen erkundet.
Das Ortsschild von Tschiatura. Die Stadt liegt im engen Tal des Flusses Qwirila.
Das Memorial in Tschiatura erinnert an die Geschichte der Stadt und der Bergarbeiter.
Ein Güterzug in Tschiatura. Die Bahngleise sind seit 2025 für den Passagierverkehr stillgelegt, werden aber noch für den Güterverkehr genutzt. Da keine Züge mehr fahren, bin ich mit einem Mietauto angereist. Der Manganabbau spielt noch immer eine Rolle. Um 1905 stammte die Hälfte der weltweiten Manganproduktion aus dieser Region. In der Sowjetzeit lieferte das Tschiatura-Becken etwa 40 % des weltweiten Manganaufkommens. Stalin ließ die Seilbahnen bauen, damit Bergarbeiter nicht mehr stundenlang zu Fuß von den Wohnungen im Tal zu den Minen in den Bergen laufen mussten.
Im Stadtzentrum steht eine der neuen Seilbahnen. Seit 2021 ist sie mit französischer Pomagalski-Technik wieder in Betrieb. Die Gondeln wirken modern und sicher, ein krasser Kontrast zu den alten Linien.
Die Giorgi-Pantsulaia-Seilbahn. Eine historische Linie, die gerade saniert wird. Ich habe mehrere Strecken abgefahren, um die Unterschiede zwischen Alt und Neu zu vergleichen.
Die Stalinbahn. Sie ist die einzige noch fahrende historische Seilbahn. Anders als die anderen wurde sie nicht wieder in Betrieb genommen, sondern ist seit der Erbauung 1954 die einzige Linie, die kontinuierlich bis heute in Betrieb ist. Vor ein paar Jahren wurde sie saniert. Die Fahrt ist kostenlos. Die vier neuen Seilbahnen mit französischer Technik kosten Eintritt, das Ticket liegt bei etwa 1,5 Lari. Es entstanden zeitweise über 100 Seilbahnen, davon 24 für den Personenverkehr und über 50 für Güter. 2016 wurden die meisten aus Sicherheitsgründen stillgelegt, 2019 endete der Altbetrieb. Die Einwohnerzahl sank von einst etwa 30.000 auf rund 16.000.
In einer der alten Gondeln unterwegs. Eng, quietschend, mit Blick in die Tiefe.
Von oben erkennt man die Lage der Stadt. Tschiatura liegt eingezwängt im Tal des Qwirila, die Seilbahnen verbinden die Höhenlagen mit dem Zentrum. Ohne sie wären viele Wege nur mühsam zu Fuß möglich. Von der Stalinbahn aus habe ich eine kleine Wanderung oben an der Klippe entlang gemacht. Dort gibt es noch mehrere alte Bergstationen von Seilbahnen, die aber verlassen sind.
Vor ein paar Jahren wurde dort, um den Tourismus zu fördern, ein Klettersteig angelegt. Er war nicht auf der Karte verzeichnet. Ich hatte keine Ausrüstung dabei, keinen Klettergurt, keinen Helm. Der Klettersteig ist gut gesichert mit neuen Zwischengriffen an der Felswand. Ich bin ohne Ausrüstung abgestiegen. Wer den Weg nutzt, sollte ein Klettergeschirr mitnehmen.
Am unteren Rand des Klettersteigs versperrt ein Tor den Zugang. Der Klettersteig war offiziell geschlossen. Ich bin um das Tor herum geklettert, da ich sonst den gesamten Abstieg wieder hätte hochklettern müssen.
Ein ehemaliger Pionierpalast. Das Gebäude wurde in den frühen 1960er Jahren vom georgischen Architekten Chkheidze errichtet. Pionierpaläste waren sowjetische Kultur- und Bildungseinrichtungen für Kinder und Jugendliche. Heute steht das Gebäude mit seiner geschwungenen Fassade und den Kolonnaden weitgehend leer. Das Dach des einstigen Theatersaals ist längst eingestürzt, nur der Bühnenbogen und die Rückwand stehen noch. Das Bauwerk ist als geschütztes Architekturdenkmal eingetragen.
Eine historische Seilbahnstation, von außen noch gut erhalten. Sie war bis vor ein paar Jahren noch in Betrieb, wurde aber stillgelegt. Die meisten Seilbahnen liegen westlich der Stadt, weiter im Tal oder in den kleinen Seitentälern, um die arbeitenden Minen miteinander zu verbinden.
Eine Gondel überquert den Fluss. Von unten wirkt die Fahrt schwebend und fragil. Für die Bergarbeiter war sie jahrzehntelang Alltag.
In einer Station von innen. Schalter, Seile, alte Beschriftungen. Hier wurde einst der Betrieb überwacht und die Gondeln bedient.
Noch einmal der Blick auf eine Gondel über dem Fluss.
Die Bergstation Skvisi. Oben angekommen hat man den Blick über die Schluchten und die gegenüberliegenden Hänge mit ihren Minen und Siedlungen.
Die Tsofi-Bergstation. Eine weitere Endhaltestelle im Netz.
Im Maschinenraum der Tsofi-Station. Antriebe, Seilscheiben, Ölspuren.
Zum Abschluss bin ich selbst noch einmal mitgefahren.
Tschiatura aus der Seilbahnperspektive.
Karte:Quellen und weitere Infos:
Wikipedia: Seilbahnen Tschiatura
MDR: Stalins schwebende Metallsärge
Urbexplorer: Die rostigen Seilbahnen von Chiatura
Bahnbilder: Stalinbahn Tschiatura
Weitere Artikel
Gefällt dir die Webseite? Unterstütz die werbefreie Seite mit einer Spende.



















Kommentare