Verlassene Sanatorien und Bäder von Zqaltubo
Georgien, August 2025
Marmorsäulen, leere Schwimmbecken und Radon in der Luft – das Sanatorium Medea und andere verwaiste Bäder von Zqaltubo.
Zqaltubo (Zkaltubo) ist ein Kurort in Westgeorgien, bekannt für seine heißen Mineralquellen und die zahlreichen Sanatorien aus sowjetischer Zeit. Nach dem Ende der UdSSR verfielen viele der großen Bäder und Hotels. Heute sind sie Lost Places, die von Urbexern und Fotografen besucht werden. Das Sanatorium Medea ist eines der markantesten Gebäude. Ich war nach der Fähre von Burgas nach Batumi und vor Tschiatura hier. Die Atmosphäre ist gespenstisch und faszinierend zugleich. Verwaiste Flure, verfallene Badebecken und vereinzelt noch genutzte Bereiche.
Das Sanatorium Medea. Ein typisches Beispiel für die monumentale Kurarchitektur der Sowjetzeit. Zqaltubo erhielt 1931 den Status eines Thermalheilbads. Zwischen 1939 und 1955 entstanden Sanatorien im Stalin-Ära-Neoklassizismus, in den 1970er Jahren folgten Bauten im sowjetischen Modernismus. 22 Sanatorien wurden gebaut. In den 1970er Jahren kamen jährlich rund 100.000 Kurgäste. Das sowjetische Arbeitsgesetz garantierte bezahlten Urlaub. 1936 wurde das „Recht auf Erholung" sogar in der Verfassung verankert.
Der Eingangsbereich des Sanatoriums Medea. Die Fassade wirkt noch imposant, innen hingegen ist der Verfall überall sichtbar.
Rund um die Sanatorien streunen oft Hunde. Sie sind meist friedlich, aber man sollte vorsichtig sein.
Welpen einer der Hündinnen. Die Tiere werden von Einheimischen manchmal gefüttert.
Das Sanatorium Sakartvelo. Ein weiteres großes Kurgebäude. Der Name bedeutet „Georgien".
Ein Übergang zum Südflügel. Die Gänge sind dunkel und leer.
Bücher und Papiere am Boden. Überreste aus der Zeit, als das Sanatorium noch in Betrieb war.
Die Zimmerausstattung wirkt wie aus den 70er oder 80er Jahren. Vieles ist bereits geplündert oder verrottet.
Es gibt noch wenige Bäder in Zqaltubo, die aktiv sind. Das Badehaus Nr. 1 ist das einzige verbliebene öffentliche Bad. Es befindet sich mitten im Stadtzentrum im Stadtpark. Die Stadt wurde quasi um dieses Bad herum gebaut. Zqaltubo liegt an der Europäischen Route der Historischen Thermalstädte (EHTTA). Die Region Imereti ist assoziiertes Mitglied dieses Kulturwegs des Europarats. Die Quellen sind etwa 35 °C warm, leicht radioaktiv mit Radon und sollen bei Rheumatismus und Gelenkleiden helfen. Das Wasser muss weder erwärmt noch gekühlt werden und wird direkt aus den Quellen in die Becken geleitet.
Am Eingang kaufte ich mir ein Ticket. Es ist relativ günstig und man bekommt ein Handtuch. Mir wurde gezeigt, wo ich hin muss. Es gibt einen großen Umkleideraum, getrennt für Männer und Frauen. Man muss sich komplett nackt ausziehen und einmal duschen, bevor man ins Becken darf. Das Becken liegt in einem extra Raum mit hellen Fliesen und grellen weißen LED-Deckenlampen. Ich setzte mich hinein. Es waren noch zwei weitere Personen im Bad. Ich war unter der Woche vormittags da, also nicht gerade Hauptzeit und außerhalb der dortigen Ferien. Gut eine Stunde verbrachte ich in diesem Radonbad. Es ist angenehm warm und das Radon blubbert immer wieder aus dem Wasser zwischen den Fliesen raus. Es sind nur grobe Steinfliesen am Boden, darunter liegt Schotter. Das Bad ist quasi auf einem natürlichen Thermalquellgebiet draufgebaut.
Nachdem ich mich gut erholt hatte, fuhr ich weiter zu einem Baggersee, der etwas außerhalb der Stadt liegt. Früher wurde dort Fels abgebaut, Steine für die Gebäude der Stadt. Heute liegt der Steinbruch komplett verlassen da. Der See reicht ins Grundwasser und wird von warmem Grundwasser gespeist. Er ist deshalb etwas wärmer als ein normaler See. Das Wasser ist sehr klar und leicht türkisfarben.
Am Baggersee bei Pirveli weiden Pferde. Die Gegend ist ruhig und ländlich.
Das Ufer des Baggersees. Ich ging noch ein bisschen schwimmen und ließ die Drohne fliegen. Ein paar Luftaufnahmen vom Badesee, der mitten in der Natur liegt, schön außerhalb der Stadt. Es war total schön. Ich aß noch eine Wassermelone.

360°-Blick auf den Baggersee. Die Rundumsicht zeigt die abgeschiedene Lage.
Ich schlug mein Zelt auf, kochte mir noch eine Kleinigkeit und ging nachts unter dem Sternenhimmel schwimmen. Die Milchstraße war gut sichtbar.
Früh am Morgen fuhr eine Person mit einem alten Lader an den Baggersee zum Angeln. Im Dunst der aufgehenden Sonne angelte sie dort.
Ich ging früh noch einmal eine kleine Runde schwimmen. Nach dem Frühstück fuhr ich zurück nach Kutaisi und von dort mit dem Fahrrad zum Oniore-Wasserfall, dem höchsten Wasserfall Georgiens.
Zqaltubo ist ein Ort zwischen Verfall und Erinnerung. Wer sowjetische Architektur und Lost Places mag, sollte hier vorbeischauen.
Karte:Quellen und weitere Infos:
Wikipedia: Zkaltubo
Wikivoyage: Zkaltubo
EHTTA: Imereti Region Georgia, Europäische Route der Historischen Thermalstädte
Tskaltubo.gov.ge: Geschichte (engl.)
Tskaltubo.gov.ge: Spa Resort
der Freitag: Lebt Stalins Kurort wieder auf?
Geographien: Tskaltubo und das sowjetische Kur-System (engl.)
Wander-Lush: Ultimate Guide Tskaltubo (engl.)
Wikipedia: Oniore Waterfall and Toba (engl.)
Visit Samegrelo: Oniore Waterfall
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