Wanderung zu prähistorischen Petroglyphen im Geghamgebirge

Armenien, August 2025

Tausende Jahre alte Felszeichnungen am Vulkan Azhdahak – eine Wanderung zu den Petroglyphen zwischen Geghard und Garni.

Das Geghamgebirge liegt östlich von Eriwan und ist bekannt für seine prähistorischen Petroglyphen. Das sind Felszeichnungen, die teils über 7000 Jahre alt sind. Sie zeigen Jagdszenen, Tiere, Symbole und rituelle Darstellungen. Die Gegend ist auch landschaftlich reizvoll: Vulkane, Seen, Weiden.

Ich war mit dem Nachtzug von Georgien angereist. Davor war ich noch mit dem Fahrrad am Oniore und Toba-Wasserfall, den höchsten Wasserfällen Georgiens. Früh morgens kam ich am Bahnhof in Eriwan an. Mein Fahrrad passt nicht in die normalen Gepäckabteile, deshalb hatte ich mir zwei Liegeplätze reserviert. Die Tickets sind so günstig, dass man selbst mit zwei Plätzen noch günstig unterwegs ist.

Nachtzug nach Eriwan
Nachtzug nach Eriwan

Das Bahnhofsgebäude in Eriwan am David-Sasuntsi-Platz wurde 1952 bis 1956 vom Architekten Edmond Tigranyan errichtet, der Turm folgte 1965. Seit 2009 gibt es ein Eisenbahnmuseum. Die armenische Eisenbahn wird von der South Caucasus Railway betrieben, einer Tochter der Russischen Eisenbahnen. Das etwa 780 km lange Netz ist voll elektrifiziert und nutzt russische Spurweite. Es gibt Verbindungen nach Tiflis, Batumi, Gjumri und im Sommer zum Sewansee.

Eriwan Bahnhof
Eriwan Bahnhof

In Eriwan habe ich mich mit frischem Obst und Proviant eingedeckt. Beide Satteltaschen voll, dann ging es hoch ins Gebirge. Eriwan ist nicht gerade fahrradfreundlich. Es gibt keinen einzigen Radweg, die Autos stinken, die Luftqualität ist schlecht, die Leute rasen wie verrückt. Ich habe ein bisschen gebraucht, um aus diesem Eriwan-Sinn herauszukommen.

Marktstand in Eriwan
Marktstand in Eriwan

Es geht recht bald steil hoch. Pralle Sonne, ich habe ein langes Hemd angezogen und mich eingecremt. Ich habe recht viel Wasser gebraucht. Gegen Mittag kam ich am Charents-Arch an.

Der Torbogen von Charents ist ein beliebter Aussichtspunkt mit Blick auf den Ararat. Das Denkmal im Dorf Voghjaberd auf 1.500 m Höhe an der Straße nach Garni wurde 1957 vom Architekten Rafayel Israyelian errichtet. Es ehrt den armenischen Dichter Jeghische Tscharenz (1897 bis 1937). Bei klarem Wetter scheint der Ararat vom Himmel zu hängen. Von hier führt die Route weiter in Richtung Garni und Geghard.

Charents-Arch
Charents-Arch

Ich habe eine kurze Mittagspause gemacht und bin weiter zum Garni-Tempel gefahren. Bis dorthin waren noch relativ viele Touristen unterwegs. Der Garni-Tempel ist die Touri-Attraktion, der östlichste griechische Tempel, der heute noch steht. Man muss Eintritt zahlen. Es lohnt sich eher, unten in die Schlucht zu wandern und die alten Basaltfelsen anzuschauen. Dafür hatte ich keine Zeit, mein Ziel waren die Petroglyphen im Geghamgebirge.

Der heidnische Tempel von Garni liegt am Rand des Gebirges, etwa 32 km südöstlich von Eriwan. Er stammt aus der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr. und war dem Sonnengott Mihr gewidmet, ein griechischer Peripteros mit 24 ionischen Säulen. 1679 wurde er durch ein Erdbeben zerstört, in den 1930er Jahren restauriert. Von hier aus führt die Route ins Geghamgebirge.

Garni-Tempel
Garni-Tempel

Am späten Nachmittag kam ich beim Dorf Geghard an. Dort gibt es einen Trinkwasserbrunnen und eine Wanderkarte. Die Wege im Geghamgebirge sind nicht wirklich gut markiert. Im Dorf hört die Straße auf, es wird zu einem Feldweg, dann zu einem steilen Wanderweg. Ich bin mit dem Fahrrad noch hochgefahren. Nach etwa drei Kilometern ist mir in dem steilen Gelände der Riemen vom Fahrrad gerissen.

Schafhirten beim Dorf Geghard
Schafhirten beim Dorf Geghard

Ich habe ein Fahrrad mit Antriebsriemen, keine Kette. Der Riemen war schon älter und hat die Belastung nicht mitgemacht. Einen Ersatzriemen hatte ich nicht dabei. Ich bin noch ein paar hundert Meter weitergelaufen zu einem Wasserkraftwerk. Dort waren gerade Arbeiter zu Gange. Mit Google Übersetzer habe ich mich verständigt. Ein Schafhirte, der dort Pause machte, hat gesagt, er geht mit mir runter in die Ortschaft. Ich konnte mein Fahrrad bei ihm am Bauernhof unterstellen und zu Fuß hoch ins Gebirge laufen. Wir sind zurück nach Geghard gelaufen, ich habe mein Fahrrad deponiert und bin wieder hochgewandert. Er hat mir einen Hirtenstock mitgegeben, damit ich mich vor wilden Wölfen und Hunden verteidigen kann. Gegen Sonnenuntergang kamen mir Schafhirten entgegen, die ihre Herden runtertrieben.

Ich bin entlang des Feldwegs gelaufen, an den Strommasten vorbei, die zum Wasserkraftwerk führen. Weiter oben gibt es ein zweites Wasserkraftwerk, immer am Tal des Flusses Azat entlang. Als es dunkel wurde, habe ich auf einer kleinen Anhöhe mein Zelt aufgeschlagen. Die Fahrradtour von Eriwan waren etwa 1.500 Höhenmeter, abends bin ich noch etwa 600 Höhenmeter hochgelaufen. Nachts war es recht frisch, wir waren schon weit oben. Am Horizont konnte man die Lichter von Eriwan sehen und viele Sterne.

Zelten im Geghamgebirge
Zelten im Geghamgebirge

Das Karmir-Tal durchzieht die Landschaft. Sie wird zunehmend karg und vulkanisch.

Wandern im Karmir-Tal
Wandern im Karmir-Tal

Am nächsten Morgen bin ich um 6 Uhr aufgestanden, habe gepackt und bin losgelaufen für die restlichen knapp 1.500 Höhenmeter. Ich bin durch das Karmir-Tal gewandert.

Im Geghamgebirge wurden über 12.000 Felszeichnungen dokumentiert. Sie liegen in Geröllfeldern und Basaltfelsen. Man sollte nach flachen, dunklen Steinen Ausschau halten, die Petroglyphen sind meist auf diesen großen flachen Steinen zu finden. Dargestellt sind Steinböcke, Menschen, ganze Herden. Dazu kommen die Vishaps (Drachensteine), Vishap bedeutet Drache: Steinerne Stelen aus Basalt oder Andesit, 1,1 bis 5,5 Meter hoch, aus dem 2. Jahrtausend v. Chr. Sie standen oft an Hochgebirgsquellen, verbunden mit Wasserkult. Von etwa 150 bekannten Vishaps weltweit stehen rund 90 in Armenien, die meisten im Geghamgebirge.

Geghama Petroglyphen
Geghama Petroglyphen

Weitere Petroglyphen im Geröllfeld.

Weitere Petroglyphen
Weitere Petroglyphen

Kurz nach den Petroglyphen gibt es eine Viehtränke, wo man sein Trinkwasser auffüllen kann. Das ist die letzte Möglichkeit. Das Wasser vom Fluss Azat sollte man nur mit Wasserfilter trinken, das aus der Viehtränke kann man direkt trinken. Es gibt eine Furt durch den Bach. Davor zweigt links ein kleiner Wanderweg ab, der den Hang hochführt zum Gebirgssee und zum Gipfel des Azhdahak.

Furt am Bach Azat
Furt am Bach Azat

Auf dem Wanderweg bin ich einem Schafhirten begegnet. Die Hunde kamen auf mich zu. Ich habe angehalten und gewartet, bis der Hirte zu mir kam. So signalisiert man den Hunden, dass man keine Gefahr darstellt. Im Gebirge sind viele Hirten mit Hunden, die ihre Schafe vor Wölfen schützen. Man sollte sich nicht einfach den Herden nähern, sondern warten, bis die Hirten auf einen zukommen. Sie begleiten einen dann um die Herde herum oder durch sie hindurch.

Gegenüber auf der anderen Talseite liegt der Vishapasar-Vulkan (Drachenberg, 3.157 m). Dort unten steht eine Jurte.

Jurte am Vishapasar-Vulkan
Jurte am Vishapasar-Vulkan

Ich habe meine Mittagspause nicht direkt am See gemacht, sondern oben an der Klippe. Unten am Badi-See war eine Schafherde, die habe ich beobachtet, während ich mir oben meine Nudeln kochen wollte. Aufgrund der Höhe hat das Wasser nicht richtig gekocht, bei dünnerer Luft liegt der Siedepunkt niedriger. Es hat ein bisschen länger gedauert.

Der Badi-See, auch Nazeli-See genannt, ist einer der größten Seen im Geghamgebirge. Er liegt in einer Senke, umgeben von Vulkanen. Die Seeufer eignen sich gut zum Zelten.

Mittagspause am Badi-See
Mittagspause am Badi-See

Von der Anhöhe geht es noch ein Stück runter, dann links weg zum Azhdahak. Ab dort ist der Weg nicht mehr wirklich erkennbar. Ein kleiner Trampelpfad führt den Südhang des Vulkans hoch. Die Landschaft ist grasbewachsen, man kann querfeldein laufen. Zum Schluss wird es steil, es geht über ein Geröllfeld. Da ist man schon oberhalb der Grasgrenze, wo kaum noch Pflanzen wachsen. Oben am Gipfel bin ich einem Wanderer aus Armenien begegnet. Der Herr war bestimmt schon Ende 70, aber noch richtig fit. Er wohnt in der Region und ist heute Vormittag einfach den Gipfel hochgelaufen. Er hat ein Foto von mir gemacht. Beim Abstieg sind mir noch zwei weitere Wanderer begegnet. Ansonsten außer Schafhirten keinen Menschen. In Armenien gehen die Leute meist nur dorthin, wo man mit dem Auto hinfahren kann. Sobald es abseits ist, ist man quasi alleine.

Mit 3.597 m ist der Azhdahak der höchste Gipfel des Geghamgebirges. Der erloschene Vulkan hat einen Krater von etwa 500 m Durchmesser und 50 m Tiefe. Darin liegt ein See aus Schmelzwasser, dessen Farbe je nach Licht wechselt. Das Gebirge ist vulkanischen Ursprungs, etwa 70 km lang und 48 km breit. Die letzte Eruption war um 1900 v. Chr. Vom Gipfel sieht man Ararat, Sewansee, Hatis, Ara und Aragats.

Azhdahak Vulkan Gipfel
Azhdahak Vulkan Gipfel

Am Nachmittag bin ich den Berg runter. Das Vulkangestein hat knallig schwarz-rote Farben. Der Weg besteht aus Bimsstein, ab und zu sind zwischendrin ein paar Gräser. Ich bin in einem anderen Tal runtergelaufen, dem Tal nördlich des Azhdahak. Es führt wieder runter zum Dorf Geghard. Das Tal ist sehr trocken, es gibt weniger Bauernhöfe und Herden, weil es weniger Wasser gibt. Ich musste mit dem Wasser auskommen, das ich mir am Vormittag bei den Petroglyphen aufgefüllt hatte. Es war etwas knapp, weil es so warm war. Kurz vor Sonnenuntergang kam ich wieder in Geghard an.

Abstieg vom Azhdahak
Abstieg vom Azhdahak

Auf dem Bauernhof habe ich einen Tee bekommen und wir haben uns unterhalten. Ich habe dem Bauern geholfen, seine Tiere in den Stall zu bringen. Er hat mir etwas zu Abendessen gegeben. Ich habe mein Zelt im Obstgarten unter den Apfelbäumen aufschlagen können.

Bauernhof in Geghard
Bauernhof in Geghard

Am nächsten Tag ging es zurück nach Eriwan. Eigentlich wollte ich mit dem Fahrrad durchs Geghamgebirge bis zum Sewansee fahren. Wegen des kaputten Riemens musste ich zurück, um das Fahrrad in Eriwan reparieren zu lassen. Zwischen Garni-Tempel und Geghard gibt es keine Busse. Es gibt Busse ab Garni zurück nach Eriwan, die nehmen aber keine Fahrräder mit. Ich bin getrampt und bin bei Handwerkern im Auto mitgefahren.

GPS-Koordinaten

Die Petroglyphen sind nicht so leicht zu finden, deswegen habe ich einige der meiner Ansicht nach sehenswertesten Koordinaten zusammengestellt:

Karte:

Quellen und weitere Infos:

Wikipedia: Geghamgebirge
Wikipedia: Gegham mountains (engl.)
Wikipedia: Petroglyphen in Armenien
Wikipedia: Charents Arch (engl.)
Wikipedia: South Caucasus Railway
rail.cc: Bahnhof Eriwan
Wikipedia: Tempel von Garni
Wikipedia: Azhdahak (Vulkan)
Wikipedia: Vishapakar (Drachensteine)
ArmGeo: Petroglyphen und Vishaps am Azhdahak
ArmGeo: Mysteries of Geghama Mountains
ArmGeo: Odzasar (Vishapasar)
Explore Armenia: Mount Azhdahak
Overlandtour: Geghama Petroglyphen Wanderung

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