Oniore und Toba: Die höchsten Wasserfälle Georgiens

Georgien, August 2025

Die höchsten Wasserfälle Georgiens – Oniore und Toba stürzen in den Canyon Kaghu, erreichbar per Rad und zu Fuß.

Nachdem ich mein Mietauto am Flughafen Kutaisi zurückgegeben hatte, ging es mit dem Fahrrad weiter zu den Wasserfällen. Wir hatten das Auto für die Muradi-Höhle und die Seilbahnen von Tschiatura genutzt. Ziel waren der Toba-Wasserfall, mit etwa 234 Metern Georgiens höchster, und der Oniore-Wasserfall, ebenfalls einer der höchsten des Landes. Beide liegen in der Region Samegrelo im Westen Georgiens, in einer Landschaft aus tiefen Canyons, Flüssen und üppiger Vegetation.

Die Fahrt führte zunächst durch ein flaches Tal. Nach etwa drei bis vier Stunden mit dem Fahrrad und weiteren zwei Stunden zu Fuß erreicht man die Wasserfälle. Eine Offlinekarte wie Organic Maps oder Maps.me ist empfehlenswert.

Eine Statue mit Frau, Kind und Weintrauben am Wegesrand in Gachedili. Typisch sowjetisch-georgische Darstellung. Die Region Samegrelo ist bekannt für Wein und Landwirtschaft.

Statue Frau und Kind mit Weintrauben
Statue Frau und Kind mit Weintrauben

Unterwegs hielt ich am Fluss Ashba an. Direkt an der Straße gibt es einen kleinen Canyon. Ich stieg hinunter und machte ein paar Fotos. Die Landschaft wird zunehmend grüner und feuchter.

Ashba Riverside
Ashba Riverside

Die Straße von Gachedili nach Balda war zunächst asphaltiert, dann zweigt ein Schotterweg rechts ab zur Ortschaft Balda. Von dort geht es in die Berge. Auf der Karte war eingezeichnet, dass man mit dem Fahrrad fahren kann. In Wirklichkeit ist es eher ein Wanderweg. Mit dem Mountainbike wäre es möglich, aber mit Gepäck und zwei Satteltaschen zu schwer. Ich versteckte mein Fahrrad im Wald bei Balda, schloss es an einen Baum an und ließ die Satteltaschen dort. Wertsachen, Schlafsack, Zelt, Isomatte und Proviant packte ich in den Rucksack und wanderte zu Fuß weiter.

Straße von Gachedili nach Balda
Straße von Gachedili nach Balda

Der Wanderweg bei Balda führt in Richtung der Wasserfälle. Gutes Schuhwerk und ausreichend Wasser mitnehmen.

Wanderweg bei Balda
Wanderweg bei Balda

Am späten Nachmittag wanderte ich in ein großes Tal hinein. Alles ist stark bewaldet, ein riesiger Canyon, komplett mit Wald bewachsen. Immer wieder zweigen kleine Seitencanyons ab, eine sehr zerklüftete Landschaft. Der Weg ist ganz okay ausgeschildert, man sollte aber aufpassen, nicht vom Pfad abzukommen.

Aussichtspunkt Canyon
Aussichtspunkt Canyon

Der Toba-Wasserfall. Mit etwa 234 Metern Fallhöhe gilt er als Georgiens höchster Wasserfall. Es handelt sich um einen Kaskadenwasserfall. Das Wasser stürzt nicht in einem Durchgang von oben nach unten, sondern in mehreren aneinandergereihten Miniwasserfällen. Das obere Ende war nicht zu sehen, weil alles bewaldet ist und der Wasserfall sich durch den Wald schlängelt. Das Gebiet ist als Naturdenkmal „Oniore Waterfall and Toba First Cave" geschützt und liegt in der Martvili-Gemeinde auf rund 680 m Höhe.

Toba-Wasserfall
Toba-Wasserfall

Der Oniore-Wasserfall ist das Herzstück der Wanderung. Etwa 67 Meter hoch, entspringt das Wasser einer Kalksteinhöhle. Etwa 70 Meter vom Höhleneingang entfernt liegt ein unterirdischer Wasserfall in einem 12 bis 15 m breiten und bis zu 30 m hohen Tunnel. Als ich ankam, stand die Sonne schon tief und beleuchtete die Felsen goldgelb. Ich war ganz alleine und machte eine kurze Runde Skinny-Dipping im Becken unter dem Wasserfall. Das Wasser war recht frisch, direkt aus dem Fels, deshalb nur eine kurze Runde. Bei Sonne entstehen oft Regenbögen im Sprühnebel. Die beste Besuchszeit ist von Mai bis November.

Oniore-Wasserfall
Oniore-Wasserfall

Blumen und Farne am Rand des Wasserfalls. Die Luftfeuchtigkeit ist hoch, die Natur üppig.

Blumen beim Oniore-Wasserfall
Blumen beim Oniore-Wasserfall
Oniore-Wasserfall 360°
Oniore-Wasserfall 360°

Übernachtet habe ich am Abasha-Bach. Abends kochte ich mir Nudeln, dann Zelt aufgebaut. Zelten in der Natur ist in Georgien an vielen Orten möglich.

Zelten am Abasha-Bach
Zelten am Abasha-Bach

Früh am nächsten Morgen packte ich meine Sachen zusammen. Ich hatte online gelesen, dass oberhalb des Wasserfalls eine Höhle liegt und man beim Oniore-Wasserfall seitlich durch den Wald zu dieser Höhle hochgelangen kann. Es gibt einen kleinen, schwer zu erkennenden Pfad links vom Wasserfall. Diesem unmarkierten Pfad bin ich gefolgt. Ich habe ihn auf der Karte am Ende des Artikels und auf OpenStreetMap für andere Wanderer eingezeichnet. Man muss gut aufpassen und trittsicher sein, es ist sehr steil, aber man kann ohne Klettern durch den Wald bis oberhalb des Wasserfalls gelangen. Oben an der Klippe setzte ich mich hin, frühstückte. Dort entstanden die beiden 360° Aufnahmen.

Oniore-Wasserfall von oben 360°
Oniore-Wasserfall von oben 360°
Oniore-Höhle 360°
Oniore-Höhle 360°

Danach lief ich zur Höhle, aus der der Wasserfall entspringt. Mit Taschenlampe bin ich ein Stück hineingewandert. Die Höhle ist sehr zerklüftet, hat keine Tropfsteine, eine sehr junge Höhle. Hinten gibt es mehrere kleine Höhlenräume. Ohne Schlauchboot kam ich nicht weiter. Mit einem hätte ich gerne noch tiefer hineingefahren.

Am Oniore-Wasserfall drehen die meisten um. Es ist aber eine Rundwanderung. Ich lief weiter zum Ogurgenji-Wasserfall. Es gibt mehrere kleinere Wasserfälle in diesem Canyon, der Ogurgenji ist einer der gut erreichbaren. Der Abstieg führt über ein Geröllfeld, aber es lohnt sich. Vormittags noch eine Runde Skinny-Dipping im Becken des Wasserfalls.

Ogurgenji-Wasserfall
Ogurgenji-Wasserfall
Ogurgenji-Wasserfall 360°
Ogurgenji-Wasserfall 360°

Unterwegs aß ich wilde Beeren, Lampenfrüchte, Brombeeren, Himbeeren, und sammelte Pilze für mein Mittagessen.

Wilde Lampenfrüchte
Wilde Lampenfrüchte

Am späten Vormittag kam ich am Kaghu-Wasserfall an. Der Kaghu, auch Zhuzhgha genannt, liegt bei Pirveli Balda im Abasha-Tal, nur wenige hundert Meter von der Straße entfernt. Er hat dasselbe türkisblaue Wasser wie der Martvili-Canyon, aber in kleinerem, weniger überlaufenem Rahmen. Baden ist erlaubt, das Wasser ist ganzjährig kalt. Der Kaghu ist touristisch beliebter. Ich traf dort etwa 15 bis 20 Leute. Auf der ganzen Wanderung zuvor war ich keinem anderen Touristen begegnet. In Georgien fahren die Leute dorthin, wo man mit dem Auto hinkommt. Sobald man ein Stück weiter weg ist, ist praktisch niemand mehr unterwegs.

Kaghu-Wasserfall
Kaghu-Wasserfall

Eine Furt beim Kaghu-Wasserfall. Bei hohem Wasserstand vorsichtig queren.

Furt bei Kaghu-Wasserfall
Furt bei Kaghu-Wasserfall

Mein Fahrrad war noch da, unverändert im Versteck. Ich holte es ab und fuhr die Schotterstraße zurück zum Balda-Canyon. Der Balda-Canyon ist ein Naturdenkmal, 1.400 Meter lang, 5 bis 10 Meter breit, 25 bis 30 Meter tief, in Kalkstein am Südrand des Ashkah-Massivs geformt. Er ist touristisch noch nicht erschlossen. Es wird gerade ein kleiner Pfad gebaut. An dem Tag fanden keine Bauarbeiten statt. Oben steht ein Bauzaun, bewacht. Ich schlich mich am Wachhäuschen vorbei durchs Gestrüpp, stieg über den Zaun und watete barfuß durch den Canyon. Ich bin der Meinung, dass solche Naturorte frei zugänglich sein sollten. Nicht ausgebauten Wege durch Canyons, sondern dass man überhaupt an einen Canyon oder Fluss in die freie Natur herankommt, ohne dass alles abgesperrt wird.

Balda Canyon 360°
Balda Canyon 360°

Blick in den Balda-Canyon von unten. Die Felswände ragen hoch auf.

Balda Canyon von unten
Balda Canyon von unten

Weiter ging es zum Martvili-Canyon, einer der bekanntesten Canyons Georgiens. Durch ihn kann man Schlauchboottouren machen, er ist sehr beliebt. Ich bin nur mit dem Fahrrad über die Brücke gefahren und habe runter in den Canyon geschaut. Direkt am Westufer des Martvili-Canyons machte ich Mittagspause an einer verlassenen ehemaligen Ziegelei.

Verlassene Ziegelei
Verlassene Ziegelei
Martvili-Canyon Brücke
Martvili-Canyon Brücke

Danach fuhr ich weiter zum Fluss Tekhuri. Auf einer Schotterinsel im Fluss schlug ich mein Zelt auf. Abends noch eine Runde Baden. Der Fluss war wesentlich wärmer als die eiskalten Becken der Wasserfälle im Gebirge. In der Nacht fotografierte ich die Milchstraße. Es war etwas mühsam, ans Ufer zu kommen. Am Ufer liegen Haselnussplantagen, man musste sich zwischen den Sträuchern hindurchschlängeln. Dafür war ich wieder komplett alleine.

Zelten am Fluss Tekhuri
Zelten am Fluss Tekhuri

In einer Nacht war die Milchstraße am Fluss Tekhuri gut sichtbar. Kaum Lichtverschmutzung.

Milchstraße am Fluss Tekhuri
Milchstraße am Fluss Tekhuri

Am nächsten Tag fuhr ich weiter am Fluss entlang. Bei der Ortschaft Tamakoni gibt es eine alte Hängebrücke. Ich bin ein Stück rübergelaufen. Das ganze Tal ist stark verwildert, mit kleinen Ortschaften. Man versucht es als Weinstraße zu vermarkten, mit Weingütern am Ufer, aber es wirkt nicht wirklich touristisch. Ich bin kaum Menschen begegnet.

Hängebrücke bei Tamakoni
Hängebrücke bei Tamakoni

Gegen Vormittag kam ich an den Schwefelquellen von Nokalakevi an. Das Wasser kommt dampfend und kochend aus dem Boden, heiß genug, um Eier zu kochen, und fließt über einen Bach und eine kleine Klippe. Bis dahin ist es schon etwas abgekühlt. Unter der Klippe liegt ein Baumstamm quer. Die Leute setzen sich darauf und lassen sich von dem warmen Wasser von oben berieseln. Die Quellen heißen auch Dedamoka und münden in den Tekhuri. Es gibt keine Infrastruktur, keine Umkleiden, keine Toiletten. Festes Schuhwerk und Vorsicht auf dem rutschigen Travertin sind ratsam.

Nokalakevi Schwefelquelle
Nokalakevi Schwefelquelle

Noch einmal die Schwefelquellen. Die Farben des Wassers und des Gesteins sind ungewöhnlich.

Nokalakevi Schwefelquelle
Nokalakevi Schwefelquelle

Von dort ging es ins Zcheniszqali-Tal. Im Frühling bei der Schneeschmelze gibt es dort Hochwasser. Deswegen sind die meisten Häuser auf Stelzen gebaut. Es gibt viele historische Holzhäuser, die Landschaft ist urig und schön zum Durchfahren.

Haus auf Stelzen im Zcheniszqali-Tal
Haus auf Stelzen im Zcheniszqali-Tal

Am Abend kam ich in Samtredia an. Von dort ging es mit dem Nachtzug weiter nach Eriwan in Armenien, wo ich eine Wanderung im Geghamgebirge machte.

Karte:

Quellen und weitere Infos:

Wikipedia: Oniore Waterfall and Toba (engl.)
Wikipedia: Samegrelo
Visit Samegrelo: Oniore Waterfall
Georgia Travel: Kaghu Waterfall
Georgia Travel: Balda Canyon
Georgia Travel: Martvili Canyon
Nokalakevi Hot Spring
Reitausflug Oniore und Toba-Wasserfälle (Horsetours)
Samegrelo Tours, Timothy's Tours

Kommentare

Zum Absenden den Slider nach rechts ziehen


Weitere Artikel

Gefällt dir die Webseite? Unterstütz die werbefreie Seite mit einer Spende.

© Veit Götz 2012 - 2026
Impressum
Datenschutz
Statistiken