Fähre Bulgarien–Georgien über das Schwarze Meer

Bulgarien, Georgien, August 2025

Delfine vor dem Bug, Sonnenaufgang auf Deck 7 – 36 Stunden mit der Drujba von Bulgarien nach Georgien über das Schwarze Meer.

Die Fährverbindung zwischen Burgas in Bulgarien und Batumi in Georgien über das Schwarze Meer wird von der Reederei PBM (PB Management Bulgaria) betrieben. Das Schiff „Drujba" ist in erster Linie für Fracht ausgelegt, nimmt aber auch Passagiere mit. Die Überfahrt dauert etwa 46 bis 50 Stunden und zählt zu den längsten Fährstrecken Europas. Seit dem Ausbruch des Ukraine-Krieges verkehren nur noch drei Fährverbindungen regelmäßig über das Schwarze Meer. Für mich war die Fähre der Einstieg in meine Reise durch den Kaukasus. Nach dem Busludscha-Denkmal und den Salinen von Burgas ging es in Burgas an Bord.

Die drei Anbieter sind PBM für die Linie von Burgas nach Batumi (Fähre Drujba), NavBul für die Linie von Varna nach Batumi (Fähre Vilnius) und E60Shipping für die Linie von Constanta nach Poti (Fähren Cenk G und AIA). Fahrpläne können sich ändern. Aktuelle Abfahrtszeiten und Ticketkauf sind auf den jeweiligen Webseiten einsehbar: pbm.bg, navbul.com, e60shipping.com.

Fahrplan der Schwarzmeerfähren (Stand 2025):

RouteFähreRichtungAbfahrt
Burgas – BatumiDrujba (PBM)Burgas → BatumiFreitag Abend
Batumi → BurgasMontag Abend
Varna – BatumiVilnius (NavBul)Varna → BatumiMittwoch Abend
Batumi → VarnaSamstag Abend
Constanta – PotiCenk GConstanta → PotiMontag 11:00
Cenk GPoti → ConstantaFreitag 11:00
Constanta – PotiAIAConstanta → PotiFreitag 11:00
AIAPoti → ConstantaSonntag 11:00

Alle drei Verbindungen verkehren wöchentlich. Ältere Reiseberichte erwähnen noch eine Fährverbindung zwischen Constanta in Rumänien und Poti mit der Fähre „Kaunas", die auch bei ukrferry geführt wurde. Diese Verbindung wurde 2022 zu Kriegsbeginn eingestellt. Die Drujba lässt sich live verfolgen unter MarineTraffic.

Die Fähre liegt im Hafen von Burgas. Das Schiff wirkt von außen eher nüchtern. Hier geht es um Transport, nicht um Kreuzfahrt.

Der Hafen liegt etwas außerhalb von Burgas. Es handelt sich nicht um den typischen Passagierhafen, sondern um den Industriehafen. Vom Stadtzentrum fährt man westlich hinaus über eine Brücke. Mit dem Fahrrad dauert es etwa fünf Minuten, zu Fuß eine Viertelstunde. Dann biegt man links ab und gelangt auf das Hafengelände. Am Eingang steht eine Schranke. An der Pforte wird man nach dem Ausweis oder einem Ticket gefragt. Ich zeigte meinen Personalausweis und sagte, dass ich ein Ticket reserviert habe und es abholen möchte. Daraufhin ließen sie mich herein. Das Büro der PBM (Drujba) in Burgas (42.48944, 27.45537) ist auf Google Maps unter „Drushba Black Sea Ferry Line" markiert. Die Tickets können ab 14 Uhr im Bürogebäude abgeholt werden. Der Eingang befindet sich auf der Rückseite. Dort herrschte bereits reges Treiben. LKW-Fahrer brachten ihre Papiere in Ordnung und die Fähre wurde beladen. Ich holte mein Ticket. Eine Handvoll weiterer Touristen wartete bereits, teilweise mit dem Motorrad im Hafengelände. Wer mit einem Kraftfahrzeug in das Hafengelände einfährt und mit der Fähre reist, darf nicht mehr mit dem Fahrzeug hinausfahren. Man kann nur noch zu Fuß in die Stadt. Ich war mit dem Fahrrad unterwegs und konnte noch einmal zurück in die Stadt fahren, an den Strand, und ein wenig baden. Gegen 19 Uhr ging ich zurück zum Hafen. Am besten fragt man im Büro nach, um wie viel Uhr man spätestens da sein soll. Bei mir dauerte es bis etwa 22 Uhr, bis wir auf die Fähre konnten. Die Passkontrolle ging relativ schnell. Es waren nur eine Handvoll Touristen, die schließlich an Bord gingen. Der Großteil waren LKW-Fahrer. Das Beladen dauerte noch eine Weile.

Fähre in Burgas
Fähre in Burgas
An Bord gehen
An Bord gehen

Der Hafen von Burgas ist einer der wichtigsten am bulgarischen Schwarzmeerufer. Von hier aus starten auch Fährverbindungen in andere Schwarzmeerhäfen. Von oben von der Fähre aus hat man einen guten Überblick über den Hafen. Man sieht, wie die Schiffe gelöscht werden, es staubt überall. Nachts leuchten die grellen Scheinwerfer, Kräne sind im Einsatz. Der Hafen schläft praktisch nie.

Hafen Burgas
Hafen Burgas

An Bord verbringt man die Zeit mit Lesen, Schlafen, Spaziergängen auf dem Deck. Die Kabinen sind einfach, aber ausreichend. Es gibt eine Kantine. Mahlzeiten sind im Ticketpreis enthalten. Die „Drujba" wurde 1994 gebaut, ist etwa 150 Meter lang und nimmt bis zu 100 Passagiere sowie LKW mit. Sie dient primär dem Frachtverkehr. Die Fähre verkehrt wöchentlich. Abfahrt Burgas meist Freitag, Ankunft Batumi Montagmorgen. Zurück geht es Montagabend von Batumi, Ankunft in Burgas Donnerstagmorgen. Buchung erfolgt per E-Mail oder persönlich im Hafen.

An Bord
An Bord

Die eigentliche Abfahrt war nachts zwischen drei und vier Uhr. Ich habe sie verschlafen. Einige LKW-Fahrer haben die erste Nacht durchgemacht und sich ordentlich betrunken. Sie sind sonst immer auf der Straße unterwegs und müssen dann ein paar Tage lang keinen LKW fahren. Das nutzten sie aus. Das gesamte Leben an Bord spielt sich nur auf Deck 7 ab. Dort befindet sich auch ein Aussendeck. Die meiste Zeit habe ich dort verbracht. Bei Sonnenaufgang waren schon früh die ersten LKW-Fahrer draußen. Sie spielten Karten, einige rauchten. Ich schaute mir den Sonnenaufgang an.

Sonnenaufgang auf Deck 7
Sonnenaufgang auf Deck 7

Die Zeit an Bord zog sich ein bisschen. Das Schiff fährt in einer geraden Linie über das Schwarze Meer. Auf halber Strecke kamen wir dem türkischen Festland einmal auf 20 Kilometer nahe. Man konnte am Horizont sogar einzelne Dörfer an der türkischen Küste ausmachen. Da hatten wir sogar kurzzeitig SMS-Empfang, aber nicht genug für Internet. Die Hauptaktivität war Delfine beobachten. Im Schwarzen Meer leben unter anderem Große Tümmler und Gemeine Delfine. Sie waren vor allem früh am Morgen zu sehen. Je näher man der georgischen Küste kommt, desto mehr Delfine tauchen auf.

Delfine beobachten
Delfine beobachten

Die Delfine schwammen meist vor dem Bug des Schiffes. Sie nutzten die Wellen, um mit dem Schiff mitzureiten. In den Heckwellen, die diagonal vom Schiff weglaufen, schwammen und sprangen sie. Das waren die Highlights.

Delfine im Schwarzen Meer
Delfine im Schwarzen Meer

Auf Deck 7 gibt es eine kleine Bar mit Tischen. Die Leute haben dort hauptsächlich geraucht. Es roch nach einer Mischung aus Zigarettenrauch und hartem Alkohol. Ein paar LKW-Fahrer schliefen ihren Rausch aus. Die anderen spielten Karten oder Domino. Ich habe auch einmal eine Runde mitgespielt. Wir haben uns über Zeichen verständigt. Ohne Internet ging kein Übersetzen und sie sprachen kein Englisch. Ich kannte nur ein paar Wörter Russisch.

Domino an Deck
Domino an Deck

Die LKW-Fahrer und Passagiere waren international gut durchmischt. Es waren Fahrer aus Kasachstan, aus Georgien, aus dem Iran, aus Russland, aus dem gesamten Kaukasus und auch aus Europa. Einer erzählte mir, dass er Milch aus Polen in den Iran transportiert. Ein anderer hatte Himbeeren aus Spanien dabei. Die Fähre ist nicht unbedingt günstiger als die Fahrt außen herum, aber sie ist eine verlässliche Verbindung, was die Zeit angeht. Man kann Waren relativ schnell transportieren, weil man mit den Grenzkontrollen schneller durchkommt. An Deck haben wir uns viel unterhalten. Ich hatte auch eine Wassermelone dabei.

Sonnenuntergang auf Deck
Sonnenuntergang auf Deck

Am letzten Tag schlachteten wir nachmittags die Wassermelone in der Cafeteria. Es gab Verpflegung an Bord. Immer ein Frühstück, meist Müsli und Brot. Zum Mittagessen gab es am ersten Tag noch etwas Gutes, auch Vegetarisches. Vegetarisches Essen sollte man vor Abfahrt mitteilen, damit die entsprechenden Lebensmittel eingekauft werden können. Am besten beim Ticketkauf. Am letzten Tag gab es nur noch Reis mit Joghurt und Knoblauchpaste.

Der letzte Abend
Der letzte Abend

Am Abend beobachteten wir noch einmal die Sterne über dem Schwarzen Meer. Es war Vollmond. Die Nacht war total ruhig und klar. Obwohl die ganze Überfahrt ruhig war, bin ich doch ein bisschen seekrank geworden. Ich habe gemerkt, dass ich eher eine Landratte bin.

Vollmond über dem Horizont
Vollmond über dem Horizont

Ich war ganz froh, als ich am Horizont etwas sah. Zuerst dachte ich, das sind Wolken. Dann kam man näher und sah, das sind keine Wolken, sondern Berge, die sich aus dem Dunst schälten. Land in Sicht. Wir kamen immer näher an Batumi heran. Irgendwann sah man kleine Striche. Das waren die Hochhäuser, die Skyline. Es sah aus wie eine Aquarellzeichnung mit verschiedenen Lagen an Bergen hintereinander.

Batumi am Horizont
Batumi am Horizont

Am Morgen waren schon Leute am Strand und winkten uns zu. Das Schiff gab einmal kräftig Hupe beim Einlaufen. Ein Schlepperboot kam und half uns, den Hafen einzurangieren. Der Hafen von Batumi (41.64726, 41.65725) ist etwas kleiner. Mit dem Festzurren und den Papieren zog sich alles noch etwa drei Stunden hin, bis wir von Bord gehen konnten.

Einlaufen in Batumi
Einlaufen in Batumi

Spät am Vormittag konnten wir nach der Passkontrolle von Bord gehen. Mit dem Personalausweis war die Einreise möglich. Ich wurde trotzdem nach dem Reisepass gefragt. Erst nach mehrmaligem Hinweis, dass ich mit dem Perso einreisen möchte, ging es. Offiziell ist es möglich. Das Auswärtige Amt empfiehlt dennoch, den Reisepass mitzunehmen, falls es Komplikationen gibt. Bei mir hat es mit dem Perso geklappt.

Hafenarbeiter in Batumi
Hafenarbeiter in Batumi

In den folgenden vier Wochen machte ich eine Radtour durch Georgien und Armenien. Dann kam ich zurück und nahm die Fähre Vilnius von Batumi nach Burgas. Diesmal waren zwei weitere Radfahrer und zwei Backpacker mit dabei. In Batumi befindet sich das Büro der PBM (Drujba) (41.64557, 41.6514), wo man die reservierten Tickets abholen kann. Es liegt direkt in der Stadt. Der Hafen (41.64726, 41.65725) liegt etwas außerhalb. Von der Innenstadt aus kann man aber hinlaufen. Wieder mussten wir an der Schranke unseren Ausweis vorzeigen, bevor wir ins Hafengelände durften. Bis wir rein durften, dauerte es bis abends um zehn. Mit der Passkontrolle waren wir erst gegen Mitternacht an Bord.

An Bord gehen in Batumi
An Bord gehen in Batumi

Diesmal hatte ich eine bessere Wassermelone mit dabei. Eine richtig große, saftige georgische. Ich habe gut durchgeschlafen. Am nächsten Tag beobachteten wir den Sonnenaufgang, während die anderen noch schliefen. Ich bin eher ein Frühaufsteher.

Sonnenaufgang bei der Rückfahrt
Sonnenaufgang bei der Rückfahrt

Tagsüber aßen wir die Wassermelone zusammen, auch mit den LKW-Fahrern. Alle freuten sich. Wir hatten eine gute Zeit. Die Rückfahrt fühlte sich wesentlich schneller an, weil ich alles schon kannte. Während der Fahrt führten sie Reparaturarbeiten durch, vor allem das Neustreichen der Brücke. Ein Arbeiter stellte sich auf einen Gabelstapler, ein anderer fuhr unten. Ohne Sicherung. Auf offener See, während der Fahrt. Der eine stand mit Pinsel oben auf dem Gabelstapler und strich die Brücke, während der Gabelstapler umherfuhr. Es sah für mich alles ein bisschen wackelig aus. Zum Glück ist nichts passiert.

Malerarbeiten auf dem Schiff
Malerarbeiten auf dem Schiff

Die Rückfahrt dauerte wieder etwa 50 Stunden. Nach zwei Nächten kamen wir früh in Burgas an. Die Passkontrolle ging diesmal etwas schneller. Es hat etwa zwei Stunden gedauert. Den Tag konnte ich noch am Strand verbringen, bevor ich mit dem Zug zurück nach Deutschland fuhr.

Quellen und weitere Infos:

PBM: Fahrplan Burgas–Batumi (Drujba)
NavBul: Varna–Batumi (Vilnius)
E60Shipping: Constanta–Poti (Cenk G, AIA)
MarineTraffic: Drujba live tracken
Overlandtour: Georgien–Bulgarien Fähre Erfahrungsbericht

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