Busludscha-Denkmal - Raumschiff aus Beton
Bulgarien, August 2025
Ein Raumschiff aus Beton im Balkangebirge – Fahrradtour zum Busludscha-Denkmal, dem ikonischsten Lost Place Bulgariens.
Das Busludscha-Denkmal ist eines der markantesten Relikte des realen Sozialismus in Bulgarien. Das futuristische Bauwerk wurde 1981 zur 1300-Jahr-Feier Bulgariens auf dem Berg Chadschi Dimitar (früher Busludscha) im zentralen Balkangebirge eingeweiht. Der Architekt Georgi Stoilow entwarf eine ovale, raumschiffähnliche Struktur mit einem 70 Meter hohen Steinpylon. Von vielen wird sie als „Beton-Ufo" oder „Raumschiff" bezeichnet. Der Ort ist historisch bedeutsam. 1868 kämpften hier bulgarische Nationalisten gegen osmanische Besatzer, 1891 formierte sich hier die Bulgarische Sozialdemokratische Arbeiterpartei. Nach der Wende 1989 wurde das Monument geschlossen und dem Verfall überlassen. Heute zieht es Lost-Place-Fans und Architekturinteressierte aus aller Welt an. In Kazanlak, der Kleinstadt am Fuß des Berges, befindet sich der ehemalige Regierungssitz der kommunistischen bulgarischen Partei.
Im August 2025 verbrachte ich die ersten Tage in Sofia. Von dort radelte ich östlich bis nach Kazanlak, die Strecke dauerte zwei Tage. Das Denkmal liegt nördlich der Stadt, etwa 1000 Höhenmeter hinauf. Am Stadtrand, kurz bevor es in die Berge ging, machte ich Rast an einer kleinen Bank. In Bulgarien gibt es sehr viele wildlebende Katzen. Ich habe eine gefüttert und gestreichelt, dann ging es weiter.
Der Aufstieg war anstrengend. Ich hatte auf meiner Karte vorher Wasserquellen eingezeichnet. Der Sommer 2025 war jedoch recht trocken. Am Wegrand in den Bergen gibt es Brunnen. Ein Rohr kommt aus dem Berg, man kann sich Wasser abfüllen, die Qualität ist gut. Es tropfte aber nur langsam heraus, sodass ich eine halbe Stunde warten musste, bis ich genug aufgefüllt hatte. Ich bin noch nie mit dem Fahrrad richtig im Gebirge unterwegs gewesen, vor allem nicht mit zwei Satteltaschen und voller Ausrüstung. Für die 1000 Höhenmeter habe ich gut drei Stunden gebraucht. Kurz vor dem Gipfel konnte ich den ersten Blick auf das Bauwerk erhaschen. Es wirkt wie ein UFO, das auf einem Berggipfel gelandet ist. Es war bereits gegen frühen Abend, die Sonne ging unter, etwas bewölkt im Hintergrund. Die Stimmung war sehr dramatisch.
Ich radelte noch weiter hinauf. Ein paar Leute kamen mir entgegen. Es ist ein sehr touristischer Ort. Ich war der Einzige mit dem Fahrrad oben. Kurz vor dem Gipfel stieg ich aus und legte die letzten Meter zu Fuß zurück. Ein paar Pferde standen am Weg.
Oben angekommen hatte ich den vollen Blick auf das gewaltige Bauwerk. Der Bau begann 1974 und dauerte bis 1981. Rund 6.000 Menschen arbeiteten am Monument, Künstler, Ingenieure und 500 Soldaten. Der Gipfel wurde eigens um neun Meter abgetragen (von 1.441 auf 1.432 m), um Platz für die Anlage zu schaffen. Finanziert wurde das Projekt durch Spenden und Briefmarken. 16,2 Millionen Lewa kamen zusammen, mehr als die veranschlagten 14 Millionen. Heute ist die Kuppel stark beschädigt, Mosaike und Innenausstattung wurden geplündert oder sind verfallen. Ursprünglich konnten bis zu 500 Besucher pro Stunde das Gebäude als Kulturzentrum und Kongresshalle nutzen. Trotzdem beeindruckt die Architektur noch heute.
Oben waren vereinzelt ein paar Leute unterwegs, es kamen immer wieder welche vorbei. Ein Wachmann achtete darauf, dass kein Vandalismus betrieben wird. Das Betreten des Gebäudes war untersagt, das Areal ließ sich aber frei erkunden.
Gegen Sonnenuntergang kam noch eine Person aus Tschechien hinzu, die hochgewandert war. Wir sind beide Urban Explorer und erkundeten das Gelände gemeinsam. Wir warteten, bis der Wachmann gegangen war, um mehr Fotos zu machen. Als die Sonne untergegangen war, holten wir Lampen hervor, setzten das Bauwerk ins Licht und machten noch einige Aufnahmen.
Ich schlief direkt mit Isomatte und Schlafsack unter dem Dachvorsprung des Gebäudes, mit Blick auf die Sterne.
Am nächsten Morgen war es früh beim Sonnenaufgang noch recht frisch. Oben wird es auch im Sommer nachts kühl. Am Horizont waren Windräder und Berge zu sehen, ein Kontrast zwischen dem alten Lost Place und den neuen Anlagen zur Energieerzeugung.
Ich ging noch einmal um das Gebäude herum. Der Turm mit dem roten Fünfstern gehört zum Ensemble. Stoilows Entwurf sah einen separaten Turm mit einem roten Stern vor, der mit 150 Glühbirnen beleuchtet wurde. Diktator Todor Schiwkow eröffnete das Denkmal am 23. August 1981 anlässlich der 1300-Jahr-Feier Bulgariens. Der Stern war einst das Symbol des sozialistischen Bulgariens. Heute ist das Denkmal ein Mahnmal für eine untergegangene Epoche.
Ich hatte noch eine Drohne mitgenommen und machte zum Abschluss ein paar Aufnahmen. Von oben ist zu sehen, dass das Dach bereits eingebrochen ist. In das Gebäude konnten wir leider nicht hinein. Alles war verschlossen. Mit einer Leiter wäre es vielleicht noch gegangen, wir waren aber beide mit dem Fahrrad unterwegs und hatten kein Kletterwerkzeug dabei. Ein Bild von oben gefällt mir am besten: Es sieht aus wie die Enterprise aus Star Trek.
Danach fuhr ich mit dem Fahrrad wieder hinunter. Das ging relativ schnell, in etwa einer halben Stunde. Von dort aus ging es mit dem Zug ans Meer nach Burgas. Dort besuchte ich die Salinen von Burgas und trat die Überfahrt über das Schwarze Meer an.
Quellen und weitere Infos:
Wikipedia: Busludscha-Denkmal
Wikipedia: Chadschi Dimitar (Berg und Geschichte)
Spiegel: Das monströse Erbe mit dem roten Stern
Spiegel einestages: Überrest des Kommunismus
FR: Busludscha – ein Denkmal für den Wandel
Awieatlas: Busludscha-Denkmal
Jacobin: Die Zukunft von Bulgariens Beton-Raumschiff
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