Dreitageswanderung zum Kelitsadi-See im Kaukasus
Georgien, August 2025
Drei Tage durch den Kaukasus: rote Mineralquellen, Steinböcke und Zelten am Vulkansee unter dem Sherkhota – Trekking in Georgien.
Die Wanderung zum Kelitsadi-See im georgischen Kaukasus führt über das Keli-Plateau, eine karge, felsige, aber farbenprächtige Vulkanlandschaft westlich der Georgischen Heerstraße. Die Tour gilt als eine der anspruchsvolleren in der Region Kazbegi: Zwei Pässe über 3.400 m müssen überquert werden, der Pfad ist oft kaum erkennbar. Die Strecke ist 27,8 km lang, mit 2.061 m Aufstieg und 2.116 m Abstieg. Offiziell plant man drei Tage ein, unter anderem, weil es um den Khorisar-Pass keinen geeigneten Zeltplatz gibt. Ich bin ein schneller Wanderer und habe die Tour in zwei Tagen geschafft: Am ersten Tag bin ich direkt bis zum Kelitsadi-See gewandert.
Schwierigkeit: Schwer. Unterkunft: Zelt erforderlich, keine Hütten. Wasser: Auf dem vulkanischen Plateau gibt es kaum Wasserstellen, nur der Esikomi-Fluss und der See selbst sind zuverlässig. Von Kvemo Okrokana aus sollte man 4 bis 5 Liter mitnehmen, um bis zum See zu kommen. Schneefelder können als Notquelle dienen, ein Wasserfilter ist ratsam. Seit 2017 ist keine Sondergenehmigung mehr nötig, man bewegt sich aber in der Grenzzone zu Südossetien und muss aufpassen, nicht ausversehen die grüne Grenze zu überqueren.
Ich war mit dem Bus von Eriwan in Armenien nach Tbilisi gefahren. Der Bus kam recht spät abends an, fast schon Mitternacht, etwas außerhalb vom Stadtzentrum. Die U-Bahn hatte schon geschlossen, und mein Fahrrad war kaputt: Der Riemen war gerissen und ich hatte ihn noch nicht reparieren können. Ich war also mit einem kaputten Fahrrad irgendwo am Stadtrand von Tiflis und suchte mir einen Stadtpark, ein verlassenes, schon etwas überwuchertes Areal, und zeltete dort die Nacht. Am nächsten Tag ging ich nach dem Frühstück in die Stadt, suchte mir eine Unterkunft zum Deponieren meiner Sachen und verbrachte noch einen Tag und eine Nacht in Tbilisi.
Am übernächsten Morgen ging es sehr früh los. Ich fuhr zum Busbahnhof Didube im Norden der Stadt. Von dort fahren zwischen 9 und 19 Uhr stündlich Busse nach Stepantsminda, die Fahrzeit beträgt drei bis dreieinhalb Stunden, ein Ticket kostet 15 GEL. Ich stieg aber schon vorher, im Dorf Almasiani, aus. Auf dem Weg dorthin hatten sich über mehr als 100 Kilometer die LKW an der Straße zur russischen Grenze gestaut. Seit dem Angriffskrieg auf die Ukraine sind die meisten Grenzen geschlossen. Die Georgische Heerstraße ist von Europa aus der nächstliegende Grenzübergang nach Russland. Ein Großteil des Warenverkehrs zwischen Europa und Russland läuft darüber. Die Grenzen nach Abchasien und Südossetien sind bereits seit Corona 2020 geschlossen. In Almasiani wurde ich am Straßenrand ausgesetzt.
Von Almasiani aus lief ich in das Tal des Flusses Terek. Die Hänge gehen auf beiden Seiten schon sehr steil hoch, grün und grasbewachsen. Wir sind schon an der Baumgrenze. Bei Almasiani traf ich auf eine Schafherde. Der Hirte winkte, ich folgte dem Weg in Richtung Nogkau.
Bei Nogkau zweigt der Wanderweg links ab. Man muss aufpassen, dass man die Abzweigung nicht verpasst: Auf Google Maps ist die Nogkau-Church markiert, kurz danach geht nach links ein Weg nach oben. Von diesem Feldweg zweigt irgendwann nach links ein ganz kleiner Trampelpfad ab, der weder markiert noch beschildert ist. Mein GPS-Track ist unten im Artikel verlinkt.
Nach einer Weile weichte das Grasland einer kleinen grasbedeckten Hochebene. In anderen Reiseberichten steht, dass man sich hier nochmal Wasser auffüllen kann. Ich hatte mir zum Glück genug Wasser von unten mitgenommen. Es war ein recht trockener Sommer und das Tal war komplett ausgetrocknet. Wenn man die Wanderung an drei Tagen statt wie ich an zwei Tagen durchziehen möchte, wäre hier die letzte Möglichkeit zu zelten. Am Rückblick hat man Blick auf den Kasbek, mit 5.047 m der dritthöchste Berg Georgiens und die Grenze zu Russland, mit Gletscher.
Dann musste ich ein Geröllfeld queren. Die Felsen sind recht grob und lose. Der Untergrund besteht aus vulkanischem Schutt. Auf diesem Abschnitt begegneten mir die einzigen zwei Personen während meiner gesamten Wanderung: zwei Bergsteiger aus dem Nordkaukasus, Flüchtlinge aus Russland, die nicht in den Krieg ziehen wollten und jetzt in Georgien leben. Sie waren in der Region zum Urlaub und Wandern.
Nach etwa einer Stunde steilem Aufstieg erreichte ich den Sattel zwischen dem Hohen und dem Niedrigen Khorisar. Beide Vulkane sind von charakteristisch roter Farbe, der Hohe Khorisar rechts, der Niedrige links. Der Sattel liegt auf etwa 3.220 m und bietet einen weiten Blick über die Schiefergipfel im Süden. Er verbindet die Oberläufe des Weißen Aragvi mit dem Keli-Plateau.
Vom Sattel aus sind es noch etwa 200 Höhenmeter bis zum eigentlichen Khorisar-Pass. Man wendet sich nach Westen und steuert eine von einem Schneefeld bedeckte Senke an, dort trifft das rote Gestein des Khorisar auf die graue Schiefermasse. Auf dieser Höhe wachsen noch vereinzelt Gräser, aber wir befinden uns schon an der Grenze, wo kaum noch Pflanzen wachsen. Die Schneefelder gehen aufgrund des Klimawandels im Sommer immer weiter zurück. In älteren Wanderberichten steht, dass man sie noch als Wasserquelle nutzen kann. Ich würde das wirklich nur im Notfall und mit Wasserfilter empfehlen. Da hatte ich einen dabei, brauchte ihn aber zum Glück nicht.
Auf dem Khorisar-Pass (3.429 m) machte ich kurz Pause. Man läuft genau an der Grenze zwischen dem schwarzgrauen Schiefergestein und dem rötlichen Vulkangestein auf der anderen Seite durch, sehr steinig, man muss gut auf die Trittsicherheit achten. In alle Richtungen Berge, keine Siedlung in Sicht. Von hier aus sieht man bereits den Kelitsadi-See im Westen.

Schließlich hatte ich den ersten Blick auf den Sherkhota-Vulkan (3.699 m) und den Kelitsadi-See in der Ferne, ganz leicht erkennbar hinten im Nebel zwischen den Wolken. Der See liegt auf 3.062 m. Der Abstieg vom Pass ist steil, man muss durch ein lockeres Geröllfeld hinab. Der Abstieg ist etwa 1.500 m lang, mit einem Gefälle von 25 bis 35°.
Ich querte das Flussbett des Weißen Aragvi und folgt dann westwärts den Nordhängen des Sherkhota-Vulkans.
Durch die Wolken und den Nebel hätte ich fast die Orientierung verloren. Zum Glück regnete es nicht. Das Wasser war recht trüb, weil es vor kurzem einen Geröllrutsch gegeben hatte.
Am Berghang entdeckte ich eine Steinbockherde, die dort graste. Die Steinböcke hielten Abstand, ließen sich aber mit etwas Geschick fotografieren.
Gegen Abend erreichte ich nach weiteren 2 km Aufstieg den Kelitsadi-See. Ich hatte den Weg, der normalerweise zwei Tage dauert, an einem Tag geschafft. Als ich am See ankam, verzogen sich nochmal kurz die Wolken, man konnte die untergehende Abendsonne sehen und das ganze Tal und den See in ein gelbliches Licht tauchen. Das Wasser war still, glasklar und eiskalt. Das Wasser vom Kelitsadi-See ist reines Trinkwasser. Ich füllte meine Flaschen nach.

Hier bin ich am Kelitsadi-See.
Ich spannte mein Zelt am Seeufer auf. Die Heringe bekam ich nicht in den felsigen Boden rein. Ich befestigte die Spannseile an schweren Steinen. Abends kochte ich mir noch eine Kleinigkeit zu essen. Kurz vor Mitternacht stand ich noch einmal auf, um mir die Milchstraße anzuschauen. Es war Neumond. Ich hatte die Wanderung extra so geplant, dass ich an Neumond dort ankomme.
Am zweiten Tag brach ich früh auf. Vom See aus ging es auf den Sherkhota. Der Pfad nach oben ist nur sehr schwer erkennbar, ein kleiner, schmaler Zickzack-Pfad auf den grauen Geröllhängen, darüber rötlich-braune Felsformationen. Der 3.699 m hohe erloschene Vulkan liegt südöstlich des Sees. In anderen Reiseberichten steht, dass man für den Aufstieg etwa zwei Stunden für die 600 Höhenmeter braucht. Ich war deutlich schneller oben. Mir fiel aber auf, dass ich nicht die Leistung erbringen konnte, die ich sonst schaffe: Aufgrund der Höhe bekam ich einfach nicht mehr richtig die Luft.
Wir befinden uns über der Vegetationsgrenze, der gesamte Aufstieg erfolgt überein einziges Geröllfeld.
Auf dem Gipfel angekommen, baute ich eine etwa eineinhalb Meter hohe Steinpyramide, um den Berg auf 3700 Meter Höhe zu bringen. Unten im Tal lagen der See und das Tal noch in Wolken, langsam zogen sich die Wolken auf und die Berggipfel schauten zwischen ihnen durch.
Unten im Tal lagen der See und das Tal noch in Wolken, langsam zogen sich die Wolken auf und die Berggipfel schauten zwischen ihnen durch.
Ich hatte einen tollen Ausblick runter in das grün bewachsene Tal des weißen Aragvi: rötliches und fast schwarzes Vulkangestein. Unten die grasbedeckten Täler und die Wolken in der Morgensonne.
Auf der anderen Seite blickt man links auf den Archvebi- und rechts auf den Kelitsadi-See. Durch den Archvebi-See verläuft die Demarkationslinie nach Südossetien. Wer dorthin möchte, muss wirklich aufpassen, nicht festgenommen zu werden.
Der Abstieg ging relativ schnell. Das Geröll ist teilweise recht lose. Der Abstieg ist manchmal wie auf einer Sanddüne, aber mit spitzen, scharfen Vulkangestein. Deswegen muss man aufpassen, dass man nicht hinfällt. Unten hatten sich die Wolken verzogen, der Kelitsadi-See war sichtbar.

Nach knapp einer Stunde war ich wieder unten bei meinem Basislager. Das Zelt war zwischendrin wieder aufgetaut, auch meine Wasserflaschen, die über Nacht zugefroren waren, konnte ich dann doch wieder trinken. Nach einer kurzen Vormittagspause packte ich mein Zelt zusammen und ging weiter zum hohen Esi-Pass, Richtung Ketrisi und Truso-Tal.
Als ich weiterzog, blickte ich noch einmal zurück zum See und zum Khorisar-Pass.
Ich lief am Ufer des türkisblauen Sees entlang. Wenn man einmal halb um den See rum ist, geht der Weg nach rechts weg. Der Pfad nähert sich hier auf wenige Hundert Meter der Demarkationslinie nach Südossetien.

Der Aufstieg zum hohen Esi-Pass ist relativ steil, über ein Geröllfeld mit Schiefergestein. Man hat nochmal einen Ausblick auf den Sherkhota mit seinen rötlichen Hängen. Die letzten Meter zum Pass muss man fast schon hochkraxeln. Es ist ein sehr steiles Geröllfeld und ein bisschen rutschig. Um den Pass herum ist eine reine Gesteinswüste. Es war ein bisschen windig, aber recht warm. Es gibt nirgendwo Pflanzen, nur fast schwarze Steine.
Leicht unterhalb des Passes kam dann zwischen dem grauen Geröll die Vegetation langsam wieder zurück, Gänseblümchen. Der Abstieg ist recht steil, die Hänge bis 35° Neigung.
Dann der Kasbek am Horizont. Den hatte ich auch schon beim Aufstieg am Vortag gesehen. Mit 5.047 m der dritthöchste Berg Georgiens.
Rückblick zum hohen Esi-Pass. Die Silhouette der Berge, die ich gerade überquert hatte.
Auf dem Weg nach unten, wo das Grasland wieder anfängt, gibt es eine Mineralwasserquelle mit rötlichem, eisenhaltigem Wasser. Das Wasser schmeckt säuerlich und hat Kohlensäure mit drin. Man kann es trinken, es ist aber ein bisschen salzig. Rotes Mineralwasser mit goldgelben Gräsern und im Hintergrund der Gletscher vom Kasbek.
Eine zweite Mineralquelle. Das mineralhaltige Wasser hat die Steine rötlich gefärbt.
Aufgrund eines Felssturzes war viel Gestein umgewühlt worden und mitten im Bach lag ein Bergkristall.
Beim Abstieg muss man sich auf der linken Seite des Baches halten. Die Hänge sind nochmal recht steil. Je tiefer man absteigt, desto besser sichtbar wird der Wanderweg wieder, hauptsächlich ausgetreten durch Schafherden, die in den unteren Bereich weiden. Ich bin beim Abstieg noch einem Hirten begegnet. Die zweite Nacht verbrachte ich unten im Tal des Esikomi auf den grünbedeckten Wiesen. Es war deutlich wärmer als oben am Kelitsadi-See.
Am nächsten Morgen ging es Richtung Ketrisi. Unterwegs passierte ich die Truso Hot Springs, helle Mineralablagerungen, aus dem Boden kommt kohelsäurehaltiges Mineralwasser. Das Wasser ist nicht wirklich warm, eher lauwarm. Es schmeckt ein bisschen salzig, ist aber trinkbar.
Der Weg führt dann als Feldweg, recht flach, am Fluss Terek entlang durch das Truso-Tal. Ein Auto kam mir entgegen. Im letzten Kilometer am Fluss entlang geht es nochmal durch eine kleine Schlucht.
Die letzten Kilometer am Fluss Terek.
Am späten Vormittag kam ich wieder im Tal bei Almasiani an, an diesen grünen Hängen vorbei, in den Morgenstunden, als die Sonne die Berge beschien. Von Almasiani aus stellte ich mich an die Bushaltestelle, aber es kam ewig lang kein Bus. Irgendwann entschied ich mich zu trampen. Ein Fahrer hielt relativ schnell an und nahm mich mit. Er fuhr nicht ganz nach Tiflis, lies mich aber an einer geeigneten Bushaltestelle raus.
Das war die letzte große Wanderung auf meiner Tour. In Tiflis holte ich mein Gepäck wieder ab. Da mein Fahrrad kaputt war, ging es mit dem Zug nach Batumi und von dort mit der Fähre über das Schwarze Meer zurück nach Bulgarien.
Karte:Quellen und weitere Infos:
Caucasus Trekking: Trek to Kelitsadi lake (detaillierte Wegbeschreibung)
Mountain.RU: Отчет о горном походе 2 к.с. по Грузии (Приказбечье) в августе 2014 (russischer Tourenbericht mit Wegbeschreibung, Höhenangaben, Khorisar- und Esi-Pass)
Tbilisi Tours: Marshrutka von Didube (Busbahnhof im Norden von Tbilisi)
Mountain Freaks: Trekking von Kazbegi (Kelitsadi, Sherkhota)
Diamir: Kaukasus Trekking Georgien
Wikipedia: Großer Kaukasus
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